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Dempterhaus

Am Markt 7         31785 Hameln
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Das Dempterhaus - ein städtebauliches Kleinod
Überschäumende Lebenslust nach Pestepidemie / Stilwandel in Hamelner Renaissancebauten

Eines der schönsten Häuser der Hamelner Altstadt ist das Dempterhaus Am Markt 7 (Ecke-Zehnthofstraße). Durch seine besondere Bauweise findet es vielfach Beachtung. Die beiden unteren Geschosse und die elegante Utlucht (Vorbau) sind Steinbauten im Stil der Hamelner Renaissance. Das dritte Geschoss und der Giebel dagegen wurden mit beschnitzten Beschlagwerkplatten als Fachwerk errichtet. Ein weiteres Haus, Bäckerstraße 31, wurde schon um 1570 gleichermaßen errichtet. Die Eheleute Tönebön haben das Haus 1964 erworben und im Laufe der Jahre ganz mit eigenen Mittel restauriert. Bis 1970 galt die Fassade vielfach als uneinheitlich und schwerfällig. Dies Urteil rechtfertigt sich nicht mehr, seitdem die Fassade farblich frei, aber in einem historischen Geiste neu gestaltet worden ist. Ein einheitlicher roter Grundton gibt heute dem Haus harmonische Ruhe. Die Bänder der Bossensteine und die Muster der Beschlagwerkplatten kontrastieren dagegen in steingrauem und grünen Ton. Eine Inschrift oberhalb des Tores besagt über die Erbauer: „Anno 1607 INVIDIA FORTVNAE COMES - TOBIAS V DEMPTER ET ANNA BOCKS ME FIERI CURANT (“Der Neid ist der Begleiter des Glücks - Tobias v. Dempter und Anna Bock ließen mich erbauen“).
Tobias Dempter war der Sohn eines Hildesheimer Kaufmanns Heinrich Koopmann-Eggers. Dieser war mit seiner Frau aus Deventer in den Niederlanden ausgewandert. Er nannte sich nun nach seiner Heimatstadt „v. Deventer“ (v. Dembter, v. Dempter). Beide waren Angehörige alter Patriziergeschlechter. Sie hatten ihre Heimat aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. Die Stadt Deventer verarmte, weil der Hafen versandete.

Als Neunjähriger zum Studium nach Hameln

Am 15. Juni 1583 wurde Tobias D. in Hildesheim geboren. Nach dem frühen Tode der Mutter schickte der Vater ihn schon mit neun Jahren in die Schule nach Hameln. Er erhielt Privatunterricht bei Magister Henricus Reinfisch, dem späteren Superintendenten, um nach einem Jahr eine Schule in Hannover zu besuchen. Nach dem Tode des Vaters kam er in eine damals berühmte Schule in Lemgo. Im Jahre 1600, also mit 17 Jahren, beendete er die Schulausbildung in Hannover und begann das Studium der Rechte in Marburg. Nach Studienjahren in Wittenberg und Leipzig verließ er die Universität 1605 – wohl ohne akademischen Abschluss.
Sein älterer Bruder Heinrich lebte damals in Hameln, wo er 1603 Katharina Amelung geheiratet hatte. Auch Tobias D. erscheint nun 1606 in Hameln, wo er mit 23 Jahren Anna Bock heiratet, Tochter des Superintendenten Magister Johannes Bock. Ehelicher Wohnsitz wurde das Haus des Schwiegervaters Am Markt 7, das Anna Bock mit in die Ehe gebracht hatte. Damit wurde Tobias Dempter nicht nur Bürger der Stadt, sondern auch Mitglied einer der alten Hamelner Patrizierfamilien.
Die Schwiegereltern Bock blieben bis zu ihrem Tode im Hause wohnen. Tobias D. war – so wird nur kurz in den Berichten vermerkt – Großhandelskaufmann. Er betrieb auch eine Essigfabrikation.
Schon 1607 begann er mit dem Umbau des Hauses, der aber wohl mehr einem Neubau gleichkam. Er war in einer unruhigen Zeit nach Hameln gekommen. 1597/98 hatte erneut eine Pestepidemie gewütet. Neukirch schreibt über diese Zeit: „Etwas zu gewaltsam flammten unter diesen Plagen Lebenslust und -überschwang wieder auf. Gegen das übermäßige Biersaufen erging noch 1598 eine Verordnung. Völlerei, Aufwand und Prunksucht wuchsen in allen Ständen. Breiter und luxuriöser wurden die Formen des Wohnens und der Geselligkeit. Das hat erst jetzt der Hamelner Baukunst ihren äußerlich größten Auftrieb gegeben und den schon angebahnten Stilwandel durchgesetzt.“
Drei Häuser sind es vor allem, die diesen Stilwandel aufzeigen: Das Rattenfängerhaus (1602/03), das Hochzeitshaus (1610) und zeitlich zwischen beiden der stolze Bau des Großkaufmanns Dempter, der mit der Utlucht 1608 abgeschlossen wird.
Das rundbogige Tor mit dem Löwenkopf in der Mitte, umrahmt von wuchtigen Bossensteinen und anderen Ziersteinen, führte zu den Arbeitsräumen des Großkaufmanns. Die Front des Hauses zeigt in den unteren Geschossen den typischen Stil der späten Weserrenaissance mit wechselnden Bändern aus Bossensteinen und Raubandstreifen. Im dritten Geschoss herrscht dann das Beschlagwerk, nicht nur auf den Platten, auch auf dem Balkenwerk. Die Unruhe, die diese Fülle von Ornamenten erzeugt, wird durch die farbliche Fassung von 1970 mit dem roten Grundton gemildert. Die Utlucht ist es auch beim Dempterhaus, die vor allem den Blick des Betrachters auf sich zieht. Neukirch nennt sie „hochelegant“ mit ihrem fast bizarren Ziergiebel.

Elsa Tönebön brachte Demeter mit aus Italien

Es ist vor allem die Zone zwischen den Fensterreihen der Utlucht des Erdgeschosses und des Oberstocks, in der es vieles zu entdecken gibt. Man muss sich Zeit lassen, um aus der Nähe neben den Säulen die Kapitelle, die Muster und vor allem auch die Kopfbilder zu erfassen. Die Nischenfigur vor der Muschel zwischen den beiden schlanken Säulen ist eine Neuerwerbung. Elsa Tönebön brachte sie 1970 aus Norditalien mit; sie könnte aus dem 19. Jahrhundert stammen. In der Größe passt sie gut in die Nische. Selbst der Landeskonservator Heinz Wolff erklärt, sie vervollständige in glücklicher Weise die Fassade des Hauses. Dargestellt ist Demeter, Göttin des Lebens und des Ackerbaus.
Der Männerkopf an der äußersten Spitze der Giebelbekrönung der Utlucht erscheint porträtähnlich. Es könnte der Bauherr oder Baumeister sein.

Als Ratsmitglied Hamelns Vernichtung abgewendet

Lange Jahre war Tobias Dempter im Rat der Stadt für das Wohl der Bürger tätig. Ratsherr wurde er erstmals im Jahre 1612 und blieb es für 35 Jahre. 15mal war er Bürgermeister. Gewohnheitsmäßig wurde der Rat aus Bürgern der städtischen Oberschicht gebildet. Mehr und mehr war er auf zugezogene Bürger wie Dempter angewiesen.
Bekannt ist sein Eintreten für die Stadt, als man 1625 eine Verschwörung gegen die Besatzung der kaiserlichen Truppen Tillys entdeckte. Ihm, dem Bürgermeister Reiche und dem Syndikus Kiepe gelang es, Unheil von der Stadt abzuwenden, da der kaiserliche Kommandant im ersten Zorn ganz Hameln abbrennen lassen wollte. Offensichtlich verfügte Dempter über gute Kenntnisse, Geschick und Tatkraft.
T. Dempter starb 1657 im Alter von 74 Jahren, zwar bettlägerig, „aber bei gutem Verstande nach vorgehaltener Beichte und empfangener Absolution von seinen Sünden im Beisein seines Beichtvaters“. In der Marktkirche St. Nicolai wurde er begraben.
Das Haus Am Markt 7 erbte seine Tochter Sophia (1613 - 1677). Sie zog mit ihrem Ehemann, dem hessischen Kanzleidirektor und Professor Buchholz in Rinteln, nach Hameln, wo Buchholz auch Bürgermeister wurde.
Fast vier Jahrhunderte hat ein Löwe über dem Hauseingang Bewohner und Besucher bewacht. Die Zeiten haben sich geändert. Heute schätzt man Hausbewacher nicht mehr, auch keine Schreckköpfe im Giebel. Dem Löwen sei dennoch ein ungestörtes und langes Weiterleben gewünscht.

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